Rote Grütze, Nordsee, Amrum

Rote Grütze, Nordsee, Amrum

​Während des Corona-Lockdowns ritten wir auf unserem Bügelbrett auf den hohen Wellen unserer Badewanne, reisten virtuell nach Schweden, Mexiko und Kuba und verbrachten einen Nachmittag an der Cote d’Azur bevor wir mit dem Schiff nach Israel übersetzten. Eigentlich gar nicht schlecht fürs Jahr 2020, nicht wahr? Und alle Reisen auch noch ohne unseren ökologischen Fußabdruck zu belasten!

Nun können wir ja zum Glück wieder einige Dinge im realen Leben unternehmen, zwar mit Einschränkungen, aber immerhin.

Ich habe euch daher heute die Dinge aufgelistet, die ich gerne im Sommer hier in München mache:

Zu einem Punkt meiner Liste möchte ich ein bisschen mehr eingehen, und zwar zur Roten Grütze. Die Liebe zur Roten Grütze besteht bereits seit meiner Kindheit und geht einher mit meiner langen Liebe für den Norden Europas, in diesem Fall speziell für die Nordsee. Während meiner Kindheit verbrachte meine Familie alle 2 Jahre die Sommerferien auf der wunderschönen nordfriesischen Insel Amrum. Mit Sack und Pack (Strandutensilien, Puppen, Bettzeug, Kleider, Essen usw.) ging es mit dem vollgestopften Auto von Südwest-Deutschland an die Küste. Meine Schwestern und ich waren zum Glück in dieser Beziehung pflegeleicht und haben auf langen Fahrten immer sehr viel geschlafen und unsere Eltern in Ruhe Auto fahren lassen.

In Dagebüll am Fähranleger angekommen waren wir dann Alle sehr glücklich. Die salzige Luft in der Nase, das Schreien der Möwen, die einfahrende Fähre, was gab es Schöneres und Aufregenderes, vor allem für uns Kinder.

Solltet ihr noch nie auf einer Nordseeinsel gewesen sein, holt das auf jeden Fall mal nach (es gibt seit Kurzem sogar einige direkte Zugverbindungen aus Süddeutschland an die Küste). Vor allem der Strand auf Amrum ist ein Traum; kilometerbreit mit weißem und feinem Sand wie ich ihn bisher sonst nur in der Karibik gesehen habe.

Natürlich faszinierte uns Kinder das Wattenmeer und wie das mit Ebbe und Flut funktioniert. Außerdem der Leuchtturm, die Windmühle, die Robben und generell die ganzen Tiere auf der Insel, wie z.B. Möwen, Krebse, Wattwürmer usw.

Strand bei Süddorf (Insel Amrum)

Kniepsand, Insel Amrum

Möwe

Fähre, Dagebüll

Ich denke, es ist dem eher schlechten Wetter in der kalten Jahreszeit geschuldet, dass man sich auf diesen friesischen Inseln so gut mit süßen Leckereien verwöhnen lassen kann. Es wird gerne Tee mit Kandiszucker und Sahne getrunken. Oder falls man sich aufwärmen muss ein Tee mit Rum (Grog) oder ein Pharisäer, bei dem der Kaffee mit Rum durch eine Schlagsahnehaube bedeckt wird. Dazu gibt es dann Sandgebäck, Waffeln oder eine Friesentorte (vielleicht stell ich euch die ein anderes Mal vor…).

Und hauptsächlich im Sommer kann man sich eben eine Rote Grütze mit Milch oder Sahne schmecken lassen. Eigentlich ist es auch ein ganz guter Mittagessen-Ersatz am Wochenende. Ich persönlich halte übrigens nichts von diesen Grützen, bei denen die Beeren fast nicht gekocht werde. Das ist bestimmt besser für den Erhalt der Vitamine, für mich muss die Rote Grütze allerdings genauso sein, wie sie damals auf Amrum war.

Ich wünsche euch ein gutes Gelingen beim Ausprobieren meines Rezepts und weiterhin einen schönen Sommer!

Walnusskuchen, Öl, Kardamon

Walnusskuchen, Öl, Kardamon

Letzte Woche habe ich einen Walnusskuchen gebacken und geplant, ihn mit dem Rezept und einer Geschichte dazu auf meinen Blog zu stellen.

Ich habe mich dann allerdings in den letzten Tagen gefragt, ob es in Zeiten des Corona-Virus überhaupt Sinn macht, weiter an meinem Blog zu schreiben. Man macht sich in Zeiten so einer Krise natürlich Gedanken darüber, ob es nichts Besseres zu tun gibt. Allerdings gehöre ich noch nicht zu den Menschen in Zwangs-Quarantäne, sondern gehe noch fast täglich ins Büro und halte dort die Stellung. Viel Zeit (und Kraft) bleibt da nicht für eventuelle Freiwilligen-Einsätze.

Unabhängig von einander haben mir dann aber in den letzten Tagen Freunde und Familienmitglieder geschrieben, dass sie mal wieder auf meinem Blog waren und sich inspiriert haben. Sie wollen ein bestimmtes Rezept nachbacken, kaufen nun eine bestimmte Zutat, mit der sie in nächster Zeit etwas zubereiten wollen oder fanden die eine oder andere meiner Geschichten interessant.

Dafür ist ja eigentlich auf einem Blog die Kommentar-Funktion da. Im Endeffekt ist es mir aber egal auf welchem Weg ich Feedback bekomme und es mich erreicht, dass mein Blog auf Interesse stößt.

Ich habe dann für mich entschieden, den Blog weiter mit Rezepten und Geschichten zu befüttern. Ich denke, es ist wichtig die Menschen zu unterhalten und ab und zu von diesem negativen Thema wegzuholen, sie in eine andere Welt zu entführen und vielleicht zu motivieren selber etwas zu backen. Genug Mehl wurde ja in letzter Zeit gehamstert… 😉

Mein Walnusskuchen ist nach einem orientalischen Rezept gebacken und besteht (bis auf die Gewürze) aus Zutaten, die man meistens sowieso im Haus hat. Man kann die Walnüsse leicht durch Mandeln oder andere Nüsse ersetzen. Die Menge ist für eine große Guglhupf-Form bemessen. Solltet ihr jetzt nicht als Großfamilie zuhause in der Quarantäne sitzen, empfehle ich die halbe Menge für eine Kastenform zu verwenden. Der Walnusskuchen hält sich durch das Joghurt auch sehr lange frisch und ist sehr saftig. Wer mag kann ihn natürlich noch mit einem Zitronenguss oder auch Frischkäse-Topping versehen.

Bleibt gesund und munter! Schreibt mir doch, ob ihr das Rezept ausprobiert habt und wie der Kuchen euch geschmeckt hat! Oder wie ihr bei Laune bleibt in dieser schwierigen Zeit?

 

Walnusskuchen mit Öl und Kardamom

  • Butter zum Einfetten der Form
  • 6 Bio-Eier (Gr. M, getrennt)
  • 300 g Zucker
  • Inhalt einer Vanillestange oder Vanilleextrakt
  • 225 ml Öl
  • 300 g Mehl (550)
  • 300 g Walnüsse (oder Walnüsse gemischt mit Mandeln)
  • 4 gestr. TL Weinsteinbackpulver
  • 375 g Joghurt (1,5 % Fett)
  • Orangeschale
  • Kardamom (3 Kapseln oder in Pulverform)
  1. Alle Zutaten vorbereiten und abwiegen.

  2. Guglhupfform gut einfetten und ein bisschen mit Mehl ausstäuben.

  3. Eiweiß zu Schnee schlagen und zur Seite stellen.
  4. Eigelb mit Zucker schaumig rühren. Öl, Joghurt, Orangenschale, Vanille und Kardamom dazugeben.
  5. Nach und nach das Mehl (mit dem Backpulver) und die Walnüsse mit einem Handrührgerät einrühren.
  6. Eiweiß vorsichtig unterheben.

  7. Den Teig in eine große Guglhupf-Form geben.

  8. Kuchen für ca. 1 Std. bei 180° C backen. Stäbchenprobe machen und, wenn kein Teil mehr am Stäbchen hängen bleibt, Kuchen auf ein Kuchengitter stürzen. Kuchen abkühlen lassen. Eventuell mit Walnüssen garnieren und mit Puderzucker bestäuben.

Hagebutte, Vitamin C, Kokosjoghurt

Hagebutte, Vitamin C, Kokosjoghurt

Ich war auf dem Münchner Viktualienmarkt und habe unverarbeitetes ungesüßtes Mark von der Hagebutte entdeckt. Ich habe mich total darüber gefreut. Zum einen ist es eben Kindheitserinnerung pur für mich, da ich aus einer „Hagebuttengegend“ (Baden-Württemberg) stamme, zum anderen bedeutet das saisonales, regionales Vitamin C in Reinform. Und davon gibt es in Deutschland im Winter ja bekanntlich nicht so viel.

Die Idee zum Rezept

Nun stand ich vor der Frage, was ich daraus machen könnte. Ich mag es ja sehr, einheimische und exotische Zutaten zu neuen Kreationen zu verbinden. Und ich war gerade sowieso in einer Kokosnuss-Joghurt-Phase, was lag also näher, als diese 2 Zutaten zu verwenden?

Die Quitten

Ich wollte allerdings noch eine fruchtige Komponente, als Gegenspiel zur Hagebutte, mit ins Spiel bringen und dunkle Schokolade konnte ich mir gut dazu vorstellen. Beim Türken um die Ecke fand ich dann ein paar Quitten, was ich sehr passend fand. Fruchtig süß, aber nicht aufdringlich. Mit einer Vanillestange zusammen habe ich sie dann zu einem Kompott verarbeitet, welches bereits alleine schon unwiderstehlich schmeckte. Das fand sogar mein Mann, der normalerweise eher so der Butter-Creme-Liebhaber ist und nicht so auf Frucht-Kompott steht.

Man kann die Quitten übrigens auch problemlos durch Birnen ersetzen. Ich habe es mir bei der Zubereitung übrigens einfach gemacht und die Quitten nur halbiert und zusammen mit der Vanille in den Dampfkochtopf-Einsatz gegeben. Die größte Arbeit mit den Quitten hat man normalerweise nämlich mit dem Schneiden und dem Entfernen des Kernhauses. Sie sind einfach extrem hart. Nach dem Aufdampfen entfernt man dann nur noch mit einem Löffel das Kernhaus und löffelt außerdem das Fruchtfleisch aus der Schale. Mit ein bisschen Saft aus dem Einsatz darüber geträufelt, hat man dann ein wunderbares Quitten-Kompott.

Das Rezept ist einfach vegan umsetzbar

Ich hoffe, ihr probiert mein Rezept mal aus und kommt ein bisschen auf den Geschmack der Hagebutte. Es bietet auf jeden Fall viel Spielraum für eigene Variationen und neue Kreationen. Es ist natürlich auch vegan herzustellen, wenn man statt dem griechischen Joghurt ein Sojajoghurt oder Joghurt aus Kokosmilch benutzt.

Viel Spaß mit dieser Vitamin-C-Bombe!

 

Hagebutten-Kokosjoghurt mit Quittenkompott (auch vegan möglich):

  • 150 g Kokos-Creme (oder gekühlte Bio-Kokosmilch, falls ihr keine Creme findet)
  • 150 g Griechischer Joghurt mit 6 % Fett (für die vegane Version ein Sojajoghurt benutzen)
  • Agavendicksaft oder Honig
  • 150 g Hagebutten-Creme (ungesüßt oder gesüßt mit Agavendicksaft)
  • ca. 50 g dunkle Schokolade (oder eine dunkle vegane Schokolade, gehackt)
  • 1 Vanilleschote
  • 20 g Kokos-Chips
  • ca. 2 – 3 Quitten bzw. 150 g Quittenkompott
  1. Alle Zutaten vorbereiten und abwiegen.

  2. Zuerst aus den Quitten ein Kompott herstellen. Ich habe es mir leicht gemacht und habe die Quitten nur halbiert und mit ein bisschen Wasser und der Vanilleschote im Dampfkochtopf weich „gekocht“. Die größte Arbeit bei den Quitten ist nämlich, sie in ungekochtem Zustand zu zerkleinern. Sie sind einfach unglaublich hart und man braucht dazu sehr viel Kraft.
  3. Nach dem kochen habe ich dann das weiche Fruchtfleisch aus der Schale gelöffelt und fertig war mein Kompott. Es gibt übrigens Sorten, die weiß bleiben beim Kochen und es gibt Sorten, die rot werden beim Kochen. Kompott abkühlen lassen. Wer mag, kann es noch zusätzlich süßen, ich persönlich finde es aber nicht nötig.
  4. Nun die Kokos-Creme mit dem griechischen Joghurt vermischen. Falls ihr Kokosmilch statt der Kokos-Creme benutzt, einfach oben die feste Creme von der Milch abtrennen und nur die feste Creme benutzen. Das funktioniert am besten bei Bio-Kokosmilch, da sie keine Emulgatoren enthält. Creme nach Geschmack – aber auf jeden Fall nur leicht – süßen.
  5. In hohen Gläsern die Zutaten dekorativ aufschichten. Dazu mit dem Quittenkompott anfangen. Dann ein Teil der Creme einfüllen. Darauf kommt dann eine dünne Schicht von der nach Geschmack gesüßten Hagebutten-Creme und je ca. 1 EL der Schokolade. Mit einer Gabel könnt ihr nun schöne rot-schwarze „Muster“ erzeugen.
  6. Darauf noch einmal von der Creme geben. Zum Abschluss dann die Gläser mit den Kokos-Chips und den Schoko-Stückchen verzieren.

Ingwer, Zitrone, Likör

Ingwer, Zitrone, Likör

Wir sind wieder im kalten Deutschland und müssen aufpassen, dass unser Immunsystem den Wechsel zwischen Karibik und Mitteleuropa verkraftet. Zum Glück habe ich noch vor Weihnachten mein Überlebenselixier hergestellt. Es ist ein Ingwer-Zitronen-Likör.

Warum ich ihn Überlebenselixier nenne? Zum einen hilft der Likör wirklich bei den verschiedensten Zipperlein, vor allem aber Magenverstimmungen. Zum anderen gibt es eine Geschichte, die ich euch hierzu gerne erzähle:

Vor einigen Jahren im Dezember beschloss meine Freundin Eva G., nach Tansania zu fliegen um den Kilimandscharo zu besteigen. Wir haben Einiges gemeinsam, allerdings was das Reisen angeht vor allem eine Sache: Wir packen nicht gerne unsere Koffer. Es ist etwas, was wir regelmäßig hinauszögern bis es nicht mehr knapper geht. Das ist bei einer Fahrt übers Wochenende ja nicht tragisch, bei einer Reise in ein tropisches Land oder bei einer Reise um einen Berg zu besteigen, ist es eher ein Problem. Man muss an so viele Dinge denken und Vieles vorbereiten.

Nun stand Eva eben vor dieser Reise wieder mit wenig Lust zum Packen und es gab zusätzlich Probleme mit dem Wetter in Deutschland. Wenige Tage vor dem Flug von München nach Frankfurt, ab dem der Flug nach Afrika gehen sollte, fing es stark an zu schneien und es kündigten sich einige Flugausfälle an. Eva wurde langsam ziemlich nervös, ob es sie ebenfalls betreffen könnte. Beim ersten Telefonat mit dem Flughafen in München erklärte man Eva, dass der Flug als nicht angetreten gelte, wenn sie  anstatt mit dem Flieger, mit dem Zug nach Frankfurt fahren würde. Das hatten wir vorher noch nie so gehört, scheint aber tatsächlich so zu sein. Man ist dann vom Computersystem sozusagen von der Liste gestrichen und kann den Folgeflug nicht antreten.

 

 

An diesem Nachmittag kam Eva total aufgelöst bei mir zuhause vorbei. Wir wohnen im gleichen Stadtteil von München. Sie hatte immer noch nicht ganz fertig gepackt und sie wusste nicht, ob das mit dem Flug noch irgendwie klappen würde. Ein zusätzliches Problem war, dass sie ja eine geführte Tour auf den Kilimandscharo gebucht hatte und sie nicht einfach ein oder zwei Tage später ankommen konnte. Dann wäre ihre Gruppe bereits unterwegs gewesen und sie würde am Fuße des Berges „festsitzen“. Alles nicht gerade beruhigend.

Nun kommt eben der Ingwer-Zitronen-Likör ins Spiel. Ich habe Eva ein Gläschen meines Überlebenselixiers eingeschenkt und ihr noch ein kleines Fläschchen mit auf den Weg nachhause mitgegeben. Natürlich löst Alkohol keine Probleme. Allerdings bezeugt Eva heute noch, dass mein Likör ihre Nerven wieder soweit beruhigt haben, sodass sie an diesem Abend noch fertig packen konnte. Das Problem mit dem Flug wurde dann übrigens auch noch von der Fluggesellschaft gelöst und der Reise stand dann Gott sei Dank nichts mehr im Wege. Eben mal wieder Ende gut, alles gut!

 

Ingwer-Zitronen-Likör (ergibt ca. 2,5 l):

  • 1 Liter Wodka
  • 600 g Zucker
  • 1200 ml Wasser
  • 3 – 4 Bio-Zitronen
  • 400 g Bio-Ingwer
  • Gefäß zum ansetzen des Likörs mit einem großen Flaschenhals
  1. Ingwer schälen (muss nicht unbedingt sein, schmeckt aber geschält intensiver) und in kleine Stückchen schneiden. Von den Zitronen mit einem Sparschäler die Schale entfernen. Dann die Zitronen halbieren und den Saft auspressen.
  2. Das Wasser mit dem Zucker zum Kochen bringen. Ingwer und Zitronenschale und -saft hinzufügen. Aufkochen lassen und ca. 6 min köcheln lassen. Die Mischung abkühlen lassen und dann den Wodka dazugeben.
  3. In eine Flasche füllen und einige Tage ziehen lassen.
  4. Dann durch ein Sieb in gut gereinigte Flaschen füllen.
  5. Der Likör hält sich sehr lange, sogar über Jahre, wenn er nicht vorher ausgetrunken wird.

Pfitzauf, Herbst, Heimat

Pfitzauf, Herbst, Heimat

Der Herbst ist die Jahreszeit, in der ich die Gegend meiner Kindheitstage sehr vermisse. Das Dorf liegt in einem Tal der Schwäbischen Alb. Es ist dort unbeschreiblich schön, wenn sich die Bäume entlang des Albtraufs unterschiedlich bunt verfärben und dazwischen die Sonne die weißen Felsen leuchtend anstrahlt. Kein Wunder sind große Teile dieser Gegend inzwischen zum Naturschutzgebiet gemacht und von der UNESCO zum Biosphärengebiet ernannt worden.

©Horst Mall (Mit freundlicher Genehmigung)

Ich kann mir inzwischen nicht mehr vorstellen dort zu leben, was aber damit zu tun hat, dass ich inzwischen so an eine Großstadt gewöhnt bin. Für uns, als Kinder, war unser Dorf allerdings ein Paradies. Ohne Aufsicht, haben wir jeden Nachmittag (zumindest bei schönem Wetter) im Freien verbracht.

Wir Schwestern waren zwar vom Alter her nicht so weit auseinander, hatten aber meistens unsere eigenen Spielkameraden oder Spielkameradinnen und auch nicht unbedingt die gleichen Interessen. Meine älteste Schwester war ein totaler Fan von kleinen Kindern und erprobte den Umgang mit ihnen bereits sehr früh an ihren Puppen. Diesen wurde dann z. B. der Blinddarm rausoperiert und fachmännisch wieder zugenäht. Unsere mittlere Schwester war immer mehr mit den Jungs unterwegs und war ständig dabei, sich mit ihnen zu messen oder Cowboy und Indianer zu spielen. Ich war schon sehr früh an gestalterischen und handwerklichen Dingen und an der Herstellung von Desserts und Kuchen interessiert. Da meine Mutter ein großes künstlerisches und handwerkliches Talent hat, bekam ich von ihr eigentlich immer Unterstützung, wenn ich mal nicht weiter wusste oder eine neue Technik erlernen wollte, z. B. beim Nähen.

Mein Lieblingsort war der Boden meines Zimmers, der ständig bedeckt war mit Papier- oder Stoffresten und bestimmt auch oft Spuren von Klebstoff aufwies. Dort konnte ich eben auch großflächig arbeiten, daher zog ich ihn einem Schreibtisch vor. Ich fertigte Kleiderkollektionen für meine Puppe Carlotta an und erstellte alles Mögliche aus Papier, wie z. B. Büchlein, Schächtelchen usw. Dieses Talent wurde dann auch später richtig erkannt und ich machte nach meiner Schulzeit eine Ausbildung zur Buchbinderin.

Im Herbst bauten wir aus Pergamentpapier und Holzstäben Drachen und ließen sie auf der Schwäbischen Alb steigen oder gingen mit unseren Eltern zum Pilze sammeln.

Der Garten und der Krautacker meiner Mutter musste auf den Winter „vorbereitet“ werden und wir Kinder waren da natürlich mal mehr, mal weniger begeistert dabei. 

Auch um unsere Hasen hinter dem Haus mussten wir uns kümmern. Wir liebten sie sehr, wurden dann aber immer wieder damit konfrontiert, dass sie nach einer längeren Zeit in unserer Obhut, als Hasenpfeffer im Kochtopf „endeten“. 

Musik spielte außerdem eine große Rolle in unserem Familienleben. Meine Eltern spielten (und spielen immer noch) Klavier und Geige und unterrichteten auch. Und so gingen bei uns von Musikschüler bis Profimusiker alle aus uns ein und auch wir Kinder lernten natürlich ein Instrument. Leider (oder vielleicht auch zum Glück) erfüllten wir in dieser Beziehung nicht die Erwartungshaltung unseres Vaters. Eine gewisse Musikalität ist in dieser Zeit natürlich entstanden und das kommt mir immer noch z. B. beim Tanzen zugute.

Im Nachhinein bin ich sehr dankbar für diese Art von Kindheit, auch wenn bei uns nicht alles immer so luxuriös oder perfekt (oder was man so allgemein darunter versteht) war. Es war auf jeden Fall ein kreatives Umfeld vorhanden, in dem ich meine Talente entfalten konnte und von dem ich heute noch profitiere.

Ein Highlight als Kind war für mich, wenn es die schwäbische Spezialität Pfitzauf gab. Es ist eine Art Mehlspeise. Es schmeckt herrlich und ist eigentlich gar nicht so schwer selbst zu machen. Man kann sich bei der Form auch mit einer Muffin-Form behelfen, falls sich nicht „zufällig“ eine Form im Familienbesitz befindet. Dann werden die Pfitzauf zwar erheblich kleiner, aber funktionieren tut es auf jeden Fall auch. Und mit ein bisschen Kompott oder Apfelmus sind sie einfach ein Gedicht. Wer sie nicht kennt? Stellt euch einfach einen Pfannkuchen mit einer knusprigen Kruste vor. Für mich sind Pfitzauf einfach traumhaft. Aber probiert es einfach aus! Viel Spaß mit meinem Rezept!

Pfitzauf

  • 250 g Mehl
  • ¼ Liter Milch oder Sojamilch
  • 4 Eier
  • eine Prise Salz
  • ca. 2 EL zerlaufene Butter
  • Öl für die Form
  • Puderzucker
  • Pfitzauf-Form
  1. Zuerst rührt man einen glatten Teig aus Mehl, Milch und Salz an, ähnlich wie einen Pfannkuchenteig.Backofen auf 200° C vorheizen. Ich habe festgestellt, dass bei Sojamilch Umluft ideal ist und mit Kuhmilch ohne Umluft gebacken werden sollte. Aber es ist natürlich auch sehr vom Ofen abhängig.
  2. Die Pfitzauf-Form mit Öl und einem Pinsel einfetten und jede Mulde halb mit dem flüssigen Teig füllen. Jeweils in die Mitte ein bisschen von der flüssigen Butter geben.
  3. Nun die Form in den Backofen stellen und 45 min. backen. Die Tür während des Backens nicht öffnen. Durch die Glastür des Backofens beobachten und eventuell nach 30 min. die Temperatur auf 180° C reduzieren oder zumindest die Umluft ausschalten.
  4. Zügig aus dem Ofen nehmen und die Pitzauf aus den Formen nehmen.
  5. Pfitzauf mit Puderzucker bestreuen und möglichst frisch gebacken mit ein wenig Kompott genießen.

Oktoberfest, Tipps, München

Oktoberfest, Tipps, München

Ich wohne seit über 20 Jahren in München. Keine Angst (an die Nichtbayern!), es kommt jetzt keine Lobhudelei über diese Stadt. Meine Gefühle für diese Stadt sind vielleicht am ehesten mit dem Begriff Hass-Liebe zu beschreiben.

Vor allem in den letzten Jahren hat sich die Lebensqualität in München sehr verschlechtert. Man hat das Gefühl, dass politisch so einiges verschlafen wurde. Nichts wurde unternommen, um die Stadt an die Menge der Menschen, die neu dazu kommen, anzupassen. Und aufgrund der guten Arbeitsmarktlage kommen eben immer mehr Menschen nach München. Der Nahverkehr ächzt unter der Menge der Passagiere, vor allem zu den Hauptverkehrszeiten. Die Autofahrer stöhnen über ständig verstopfte Straßen. Fahrrad fahren kann sehr gefährlich sein, da nicht ausreichend Fahrradwege vorhanden sind oder die Fahrradwege in einem schlechten Zustand sind.  Jedes freie Plätzchen in der Stadt wird zugebaut und trotzdem findet man als „Normalverdiener“ keine Wohnung mehr. Dazu kommt, dass die Gehälter sich die letzten Jahre nicht an die hohen Lebenshaltungskosten angepasst haben.

Nun gibt es allerdings eine Zeit im Jahr, die mich all diese negativen Dinge vergessen lässt. Die 5. Jahreszeit in München, die Zeit des Oktoberfests, der so genannten Wiesn (benannt nach der Theresienwiese). Es ist nicht das Oktoberfest an sich, was mir so gute Laune beschert. Darüber würde es ja leider auch sehr viel Negatives zu berichten geben.

Nein, es ist die Stimmung in der Stadt. Plötzlich ist da ein internationales Flair zu spüren. Man kommt auf dem Viktualienmarkt mit Touristen ins Gespräch über den besten Käse, die beste Brezel oder darüber, wo man die besten Souvenirs kaufen kann. Meist zeigt sich das Wetter noch einmal von seiner besten Seite. Die Stadt ist bunt durch die Trachten und alles, was eine Tracht sein möchte. Natürlich rümpft der eine oder andere Einheimische die Nase darüber, was der eine oder andere Tourist da am Leibe trägt (im Großen und Ganzen ist der Münchner an sich ja aber tolerant…). Die neuesten Zopf-Frisuren werden ausprobiert und präsentiert, was wirklich schön anzuschauen ist. Insgesamt hat man das Gefühl, die Stadt ist insgesamt ein bisschen beschwipst. Und dieses München gefällt mir eben am allerbesten.

 

Meine 5 Oktoberfest Tipps für Nicht-Münchner für das perfekte Wiesn-Wochenende:

 

Unterkunft

Reserviere wirklich frühzeitig eine Unterkunft und einen Tisch. Wiesn-Tische gibt es ab Januar direkt bei den jeweiligen Zelten zu reservieren und zu bezahlen. Ohne Tischreservierung ist es wirklich nicht lustig irgendwo einen Sitzplatz zu bekommen. Selbst die Außenbereiche der Zelte sind an bestimmten Tagen inzwischen nicht mehr zugänglich, da bereits besetzt. Dabei auch an die kleineren Bierzelte denken, die inzwischen auch eine echte gemütliche Alternative sind.

Zelt oder Biergarten

Solltet ihr an einem ruhigeren Wochenende in München während des Oktoberfestes interessiert sein, empfehle ich einen (Mittags-)Spaziergang über die Wiesn mit dem anschließenden Besuch eines Biergartens oder einer Brauereigaststätte in der Nähe der Festwiese. Auch der Biergarten auf dem Viktualienmarkt ist zu empfehlen. Spielt das Wetter mit und hat man einen Tag mit dem typischen blauen Münchner Himmel erwischt, dann kann dies ein wunderbares Erlebnis werden. Das Essen und Trinken ist dort natürlich auch um einiges günstiger und oft auch qualitativ sehr viel besser.

Tracht

Ich würde euch als Alternative zur Tracht zu einer Jeans und guten Schuhe raten. Billigdirndl und Plastiklederhosen gehen auf jeden Fall für uns Münchner gar nicht. Eure Schuhe sollten auch eher robust als zu fein sein und sollten auf jeden Fall bequem sein. Lasst eure größeren Taschen oder Rucksäcke zuhause und beschränkt euch auf das Nötigste. Eine kleine Bauchtasche ist eigentlich am Optimalsten und ist auch ein gutes Mittel gegen Taschendiebe, die es natürlich in großen Menschenmengen immer gibt.

Oide Wiesn

Schon lange kein Geheimtipp mehr ist die „Oide Wiesn“, die inzwischen sogar jedes Jahr stattfindet. Wer auf Nostalgie steht oder Kinder dabei hat, sollte die paar Euro Eintritt nicht scheuen und einen Abstecher auf dieses Gelände machen. Auch Veganer kommen dort übrigens voll auf Ihre Kosten.

Tanzen gehen

Wer nach seinem Wiesn- oder Biergartenbesuch noch nicht genug hat, kann natürlich auch noch tanzen gehen. Es gibt rund ums Oktoberfestgelände einige Clubs, die speziell während der Wiesn Partys veranstalten. Wer lateinamerikanische Musik mag, dem würde ich die eine oder andere Salsa- oder Latinmusic-Party ans Herz legen. Dort ist der Altersdurchschnitt erfahrungsgemäß auch ein bisschen höher und es ist speziell während des Oktoberfests auch sehr schön, da dort auch viele in Tracht tanzen gehen.

Bieramisu

 

Zutaten:

280 g Mascarpone

2 Eigelb (ca. 40 g)

130 ml kräftiges Bier

100 g Zucker

120 ml Sahne

geriebene Orangenschale

150 g Biskuitlöffel

4 g Johannisbrotkernmehl

¼ l fertig gekochter Espresso

100 ml spanischer Vanillelikör

3 TL Kardamom

Kakao zum Bestäuben

1 mittlere Keramikform oder 4 – 5 Weckgläser

Zubereitung:

Zutaten vorbereiten und abwiegen/abmessen.  Eventuell auch Löffelbiskuit bereits in die entsprechende Größe schneiden. Zumindest, wenn man das Dessert in Weckgläsern anrichten möchte.

Die Sahne steif schlagen und im Kühlschrank zwischen lagern.

Ein Wasserbad vorbereiten und das Wasser darin erwärmen.

Eigelb und Zucker über dem Wasserbad aufschlagen bis die Masse weißlich und ein bisschen dicklich wird. Bier zugeben und noch ca. 30 sek. weiterschlagen.

Topf vom Wasserbad nehmen und Masse etwas abkühlen lassen. Dann die Mascarpone dazu geben und mit dem Schneebesen einrühren. Johannisbrotkernmehl, Orangenschale und Kardamom dazugeben. Dann behutsam die Sahne unterheben. Die Masse noch einmal abschmecken. Es sollte deutlich nach Kardamom schmecken.

Nun die Biskuitlöffel in den Kaffee und den Likör tunken und abwechselnd mit der Creme in die Form oder die Weckgläser schichten. Mit der Creme nicht zu sparsam sein. Abgedeckt für mindestens 3 Stunden in den Kühlschrank stellen.

Aus dem Kühlschrank nehmen und mit Kakao bestäuben.

Eventuell noch mit Früchten dekorieren und dann genießen!

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Kirschkuchen, Sommerende, Urlaubsvorfreude

Kirschkuchen, Sommerende, Urlaubsvorfreude

In dieser Zeit des Jahres überkommt mich meistens eine Art Sommer-Blues. Es ist dieses Gefühl, dass der Sommer wieder mal viel zu schnell zu Ende geht. Die Tage werden kürzer und die Nächte wieder kühler. Zum Glück ist mir das dieses Jahr noch nicht passiert. Das liegt vielleicht mit an 2 Dingen. Zum einen steht unser Sommerurlaub erst noch an und zum anderen fahren wir dieses Jahr im Winter für fast 4 Wochen nach Kuba, um die Familie meines Mannes zu besuchen. Ich werde meine „Portion Sonne“ und vor allem Wärme also auf jeden Fall noch „abbekommen“.

Unser Sommerurlaub besteht dieses Jahr aus zwei Teilen. Zuerst werden wir ein paar Städte (und auch Menschen!) in der Schweiz, in Deutschland und in Frankreich besuchen. Danach ist dann noch eine Woche House-Sitting angesagt. Diese Art von Urlaub gefällt mir übrigens am besten. Man kann dabei so wunderbar zurück zu seinem eigenen Rhythmus finden. Für mich bedeutet das: aufstehen ohne Wecker, essen, wenn man wirklich Hunger hat, wenn es heiß ist, einen Gang runter schalten, wenn es doch leider mal regnen sollte, einfach einen Tag auf dem Sofa verbringen und einen guten Film schauen oder ein Buch lesen. Essen auf der Terrasse, tägliches Schwimmen und einfach mal die Seele baumeln lasse gehört dann genauso zum Pflichtprogramm wie das obligatorische Gießen im Garten oder das Füttern der Katze.

Man fängt an wieder genauer hinzuhören, was die innere Stimme einem sagen möchte. Manchmal bekommt man sogar das Gefühl, dass man nie wieder in seine alte Routine zurückgehen kann und möchte. Meistens ist aber genau das Gegenteil der Fall. Man tankt wieder Energie auf, man bekommt wieder Begeisterung für die durchaus auch schönen Dinge des Alltags oder für sein eigenes Zuhause.

Ich werde auf jeden Fall versuchen, so viel wie möglich Sommer in mich aufzusaugen, dass, selbst wenn der Sommer nach unserem Urlaub zu Ende wäre, ich mich nicht betrogen fühlen werde.

Das Kirschkuchen Rezept

Da für mich ein Wochenende kein Wochenende ist, wenn es keinen Kuchen gibt, habe ich gestern eine alte Familientradition aufgenommen und einen Grieß-Kirschkuchen nach altem Familien-Rezept gebacken. Schon meine Oma hat diesen Kuchen zu allen möglichen Anlässen gebacken und meine Mutter backt ihn ebenfalls immer noch regelmäßig. Ich habe das Kischkuchen Rezept ein kleines bisschen abgewandelt und den Kuchen ein bisschen reichhaltiger und noch leckerer gemacht. Ich habe ja hier aber zum Glück nie einen Diät-Blog angekündigt.


Grießkirschen-Guglhupf

  • ca. 500 g entsteinte Herzkirschen
  • 225 g Butter
  • 300 g Zucker
  • 6 Eier
  • 225 g Dinkelgrieß
  • 375 g Mandeln
  • 3 gestr. TL Backpulver
  • 2 EL Mehl
  • Fett und Semmelbrösel für die Form
  • Puderzucker zum Bestäuben
  1. Backofen auf ca. 180 Grad (Umluft) vorheizen.
  2. Guglhupf-Form gut mit Butter ausfetten und mit Semmelbrösel bestreuen.
  3. Butter und Zucker cremig schlagen. Dann ein Ei nach dem anderen dazugeben und glatt rühren. Grieß, Mandeln und Backpulver mischen und unter die Butter-Zucker-Creme ziehen.
  4. Kirschen mit Mehl bepudern und unter den Teig heben. Teig in die Guglhupf-Form füllen und ca. 50 – 60 min. backen.
  5. Mit einem Holzstäbchen in den Kuchen stechen. Bleibt nichts an dem Stäbchen hängen, ist der Kuchen fertig. Ca. 10 min. in der Form ruhen lassen. Dann aus der Form stürzen aus
    auskühlen lassen. Mit Puderzucker bestäuben.

Guten Appetit!