Luciafest, Schweden, Lussekatter

Luciafest, Schweden, Lussekatter

Ich (und wahrscheinlich viele meiner Generation) bin durch die Bücher und Filme Astrid Lindgrens geprägt worden. Mit 16 Jahren fuhr ich dann zum ersten Mal in das Heimatland der Lieblings-Autorin meiner Kindheit. Die Reise führte mich nach Südschweden an einen herrlichen See. Ich war mit einer organisierten Gruppenreise dort. Wir hatten großes Glück und es gab kaum Mücken und 2 Wochen lang das schönste Sommerwetter. Die Umgebung und die Unterkunft war ein Traum und ich glaube ich habe mich damals vollständig in dieses Land verliebt. Wenn man es genau nimmt, war ich das natürlich vorher bereits in meiner Phantasie.

Einige Jahre später – ich war inzwischen nach München gezogen – stellte sich in unserer WG (Wohngemeinschaft) eine Schwedin vor, die wir dann auch bald bei uns (ich und 2 andere Mädels) einziehen ließen.

Jedes Jahr im Dezember brachte uns M. dann ihre Kultur näher, indem sie mit uns das in Schweden wichtige Luciafest feierte. D.h. wir forderten es dann nach einiger Zeit von ihr ein, mit uns dieses Fest zu feiern. Vielleicht sollte ich zuerst mal diesen Brauch erklären, für diejenigen, denen er nichts sagt.

Das Luciafest in Schweden

In Schweden ist das Luciafest am 13. Dezember seit mehr als 200 Jahren ein besonderer Feiertag. Dort ist es im Dezember nur wenige Stunden hell, was dem Fest eine ganz besondere Bedeutung verleiht.

An diesem Morgen des Luciafests, stellt die älteste Tochter im Hause die Heilige dar und trägt ein langes weißes Kleid und hat den Kopf mit einem grünen Kranz – oft aus Preiselbeeren – geschmückt, in den eine Reihe brennender Kerzen gesteckt sind. So geht sie morgens von Zimmer zu Zimmer und weckt die Eltern und Geschwister. Alle warten schon darauf, denn sie bringt das Frühstück ans Bett und die ersten Kostproben der Weihnachtsplätzchen. Ihr Licht ist Vorbote des Weihnachtslichtes. In den Dörfern und Stadtteilen, in jeder Schule, jedem Kindergarten, jeder Universität wird am Vorabend eine Lucienbraut gewählt, die dann singend von Haus zu Haus zieht.

Historisch belegt ist nur sehr wenig, als gesichert gilt allerdings der Geburtsort von Lucia, die als Tochter eines reichen Kaufmanns um 286 nach Christus in Syrakus (heute Siracusa) auf Sizilien auf die Welt kam.

Die Sage besagt folgendes:

Lucia lernte schnell, Verantwortung zu übernehmen. Nachdem der Vater gestorben und ihre Mutter Eutychia krank geworden war, machte Lucia mit ihr eine Wallfahrt nach Catania zum Grab der heiligen Agathe, um die Schutzpatronin um Hilfe zu bitten. Die Mutter wurde gesund und erlaubte der Tochter daraufhin, die geplante Hochzeit mit ihrem heidnischen Verlobten abzusagen, um ihr Leben ganz Jesus zu widmen. Daraufhin schenkte Lucia ihre Aussteuer den Armen. Mit der Absage der Heirat besiegelte die junge Frau unwissend ihr Schicksal als Märtyrerin: Ihr Verlobter verriet sie aus Zorn an den Präfekten.

Es gibt zahlreiche widersprüchliche Überlieferungen von Lucias Marterqualen. Eine besagt, dass Lucia von einem Ochsenkarren zu Tode geschleift werden sollte. Laut einer anderen Legende sollte Lucia als Strafe für ihr Festhalten am Glauben in einem Ochsengespann und gezogen von „mehreren tausend Soldaten“ in ein Bordell gebracht werden. Doch alle Quellen sind sich einig, dass die Tiere sich nicht von der Stelle rührten und auch aus Menschenkraft ließ sich der Wagen nicht ziehen. Selbst heißes Öl, das über Lucia auf Befehl des Richters gegossen wurde, konnte ihr nichts anhaben. Und auch das Ausreißen ihrer Augen überlebte die Jungfrau. Schließlich starb Lucia um 304 oder 310 nach Christus an einem Schwertstich in den Hals.

Vielleicht auch noch interessant ist, dass man Lucia auch in anderen europäischen Ländern, z. B. in Italien verehrt. Lucia ist die Stadtheilige von Siracusa auf Sizilien, Venedig, Mantua in Oberitalien und Toledo in Spanien.

Unser Luciafest :

Zu unserem Luciafest, eben auch jedes Jahr am 13. Dezember, kamen immer mehr Besucher. Ehemalige WG-Mitbewohnerinnen, Partner, Familienmitglieder und Nachbarn von uns. Wir und ein Teil unserer Gäste übernahmen jeweils eine Rolle in unserem kleinen Lucia-Zug. Und jeder bekam dazu die entsprechende Verkleidung oder zumindest eine entsprechende Kopfbedeckung. M. übernahm natürlich die Rolle der Lucia.  Die anderen Freiwilligen übernahmen die Rollen der Stern-Jungen mit spitzigen weißen Hüten, Elche und weitere weiß gewandete weibliche Engel. Das ganze Gefolge von Lucia eben. In dieser Aufmachungen wurden dann schwedische Weihnachts- und Lucia-Lieder gesungen. Für uns ein großer Spaß, M. hat eher schwedische Höflichkeit an den Tag gelegt, fragte man sie nach unserer Performance.

Es hatte sich dann irgendwann einmal so eingebürgert, dass es zu unserem Luciafest von M. selbst gemachte Köttbuller und Hasselback-Potatoes gibt. Das sind diese Fleischbällchen, die viele von IKEA her kennen und Kartoffeln aus dem Backofen. Diese werden speziell eingeschnitten, sodass sie eine große Menge an Butter aufnehmen können und daher zwar schwer im Magen liegen können, aber einfach göttlich schmecken. Als Getränk gab es Glögg, schwedischer Glühwein und als Nachtisch Milchreis mit einer versteckten geschälten Mandel darin. M. erklärte uns, dass wer die Mandel in seinem Schälchen findet, als nächstes heiraten wird. Dies führte dann in einem Jahr dazu, dass eine unserer Nachbarinnen fast die ganze Schüssel alleine gegessen hat, in der Hoffnung, die nächste Glückliche zu sein.

Leider gab es nur bei einem von uns gefeierten Luciafest Lussekatter, die ein Gast gebacken hatte. Lussekatter ist das Gebäck, dass die älteste Schwester morgens der Familie zum Frühstück serviert. Auf dem Blog „Hefe und mehr“ bin ich fündig nach einem passenden Rezept geworden, dass ich allerdings mit Sojamilch variiert habe. Ich bin ja ein Fan von einer kalten Teigführung über Nacht und diese Water roux hat mich ebenfalls sehr interessiert. Probiert es einfach mal aus. Es hört sich komplizierter an, als es letztendlich ist.

Smaklig måltid!

Lussekatter zum Luciafest

  • Water roux
  • 30 g Bio-Mehl Type 550 oder Manitobamehl
  • 150 g Wasser
  • Teig
  • gesamter Water roux
  • 150 g Milch (ich habe Sojamilch benutzt)
  • 1 Bio-Ei
  • 10 g frische Hefe
  • 5 g Salz
  • 500 g Bio-Mehl Type 550 oder Manitobamehl
  • 0,25 g Safran
  • 125 g Butter
  • 80 g Zucker
  • Rosinen
  • Ei zum Bestreichen
  1. Zutaten vorbereiten und abwiegen.
  2. Für den Water roux (macht die Lussekatter fluffig und hält sie länger frisch!) Mehl mit Wasser klümpchenfrei verrühren. Dann auf dem Herd unter ständigen Rühren auf 65°C erwärmen (dauert ca 3 min.). In eine Schüssel umfüllen und mit Frischhaltefolie abdecken, sodass die Oberfläche nicht austrocknet.
  3. Die Safranfäden mit etwas Zucker fein mörsern. Die Milch erwärmen und zu dem Safran-Zucker geben. Wenn die Milch auf etwa 30°C abgekühlt ist, die Hefe darin auflösen und mit Ei, Salz, Mehl und Water roux für 5 min auf langsamer Stufe in der Küchenmaschine kneten. Der Teig ist sehr fest.
  4. Da Zucker die Glutenentwicklung sehr stört, wird er erst jetzt in kleinen Portionen zum Teig hinzugegeben. Den Zucker löffelweise zum Teig hinzufügen. Zwischen den Zugaben jeweils 1 min. kneten. Zuletzt die Butter hinzufügen und weiterkneten, bis sie komplett in den Teig eingearbeitet ist. Zuletzt wird die Butter hinzugegeben. Solange kneten, bis die Butter komplett in den Teig eingearbeitet wurde.
  5. 1 Stunde bei Raumtemperatur gehen lassen, dann über Nacht im Kühlschrank gehen lassen.
  6. Am nächsten Morgen den Teig in Stücke von je 40g teilen. Zu Teigsträngen von je 30 cm rollen, diese 10 min entspannen lassen und dann von beiden Enden gegengleich aufrollen (wie für ein “S”).
  7. 1 Stunde gehen lassen, dann mit Ei bestreichen und in jede Spirale eine Rosinen drücken.
  8. Bei 200°C etwa 10 -12 min backen (Ich habe eine Schüssel mit Wasser in den Ofen gestellt).
  9. Auf einem Gitter auskühlen lassen. Luftdicht verpackt aufbewahren oder gleich genießen.
 

Glögg

  • 0.75 l Rotwein
  • 200 ml Wasser
  • 120 l Rum (einen guten, keinen Strohrum!)
  • 100 g Zucker (eventuell Rohrzucker)
  • 2 Ceylon-Zimtstangen
  • 1 Bio-Orange
  • 1 TL Nelken, ganz
  • 1 TL Kardamom, ganz
  • 100 g Rosinen
  • 50 g geschälte Mandeln (ungeschälte Mandeln mit heißem Wasser überbrühen und Mandelhaut dann einfach abziehen)
  1. Die Orangen waschen und die Schale mit einem Sparschäler abschälen. Es sollte möglichst keine weiße Haut daran hängen bleiben. Die restliche Orange in Scheiben schneiden.
  2. 200 ml Wasser, Zimtstangen, Nelken, Kardamom und den Zucker in den Topf geben und langsam zum Kochen bringen.
  3. Den Rotwein hinzufügen und 45 Minuten auf niedriger Temperatur ziehen lassen. Die Flüssigkeit sollte nicht kochen. Ab und zu umrühren.
  4. Dann den Rum hinzugeben und weitere 15 Minuten ziehen lassen. Eventuell über Nacht stehen lassen, damit der Geschmack noch intensiver wird.
  5. Den warmen Glögg mit Mandeln und Rosinen servieren.
 

Pepparkakor

  • 225 g Mehl 550
  • 115 g Butter
  • 115 g Rohrzucker
  • 1 Eiweiß
  • 1 TL Ceylon-Zimtpulver
  • 1 TL Ingwerpulver
  • ½ TL Nelkenpulver
  • ½ TL Kardamompulver
  • ½ TL Backsoda
  1. Alle Zutaten schnell zu einem Art Mürbeteig verkneten. Für mind. 1 Std. kaltstellen.
  2. Backofen auf 180 Grad vorheizen.
  3. Teig zwischen 2 Frischhaltefolien (oder klassisch ohne Folie mit ein bisschen Mehl) ausrollen und mit Ausstecher-Formen Sterne ausstechen.
  4. Sterne auf ein Backblech (+ Backpapier) legen und für ca. 10 – 15 Minuten backen.
  5. Auf einem Rost abkühlen lassen und in Blechdosen aufbewahren.
 

Tarte Tatin, Advent, Glücksmomente

Tarte Tatin, Advent, Glücksmomente

Wir stehen kurz vor unserer Reise nach Kuba und die Vorbereitungen sind zum Glück fast abgeschlossen. Ein bisschen wehmütig bin ich dann doch, nur den Anfang der Adventszeit hier in Deutschland zu verbringen. Für mich eigentlich das einzig Schöne an der deutschen Winterzeit. Auch wenn ich mich zuhause meistens mit meiner Weihnachtsdekoration zurückhalte, liebe ich es, wie die Straßen und Weihnachtsmärkte dekoriert und beleuchtet sind.

Um trotzdem ein bisschen in eine besinnliche Stimmung zu kommen, habe ich beschlossen, es uns am 1. Advent mit einer „netten“ Tarte Tatin gemütlich zu machen. Mein Mann lässt sich bei Süßem auch nicht lange bitten, schon gar nicht wenn Karamell mit im Spiel ist.

Es scheiden sich ja die Geister, ob man eine Tarte Tatin mit einem Mürbteig oder einem Blätterteig macht. Ich mag beide Varianten und habe mich jetzt eher aus Zeitgründen für die Version mit Mürbteig entschieden, da ich in diesem Fall schon gerne einen selbst gemachten Blätterteig hätte. Wenn schon, denn schon! Das tolle an einer Tarte Tatin ist ja, dass man sie als Kuchen zum Tee oder Kaffee essen kann, aber auch toll als Nachtisch mit ein bisschen Sahne oder Vanilleeis servieren kann.

Da mein Mann in der Gastronomie arbeitet, fängt unser gemeinsames Wochenende immer erst am Sonntag an. Das Frühstück findet dann eher kurz vor Mittag statt und das Abendessen gibt es dann oft schon am Spätnachmittag. Das ausgefallene Mittagessen wird meistens durch ein nettes Dessert oder ein Küchlein nach dem Abendessen „ersetzt“.

Mein Mann ist dann für die musikalische Untermalung unseres Nachmittags zuständig und es kann durchaus sein, dass wir ein Tänzchen aufs Parkett legen, ein bisschen kubanisch eben. Das ist doch das, was das Leben eigentlich ausmacht, die kleinen Glücksmomente, die entstehen, wenn wir entschleunigen und wir uns komplett im „Jetzt“ befinden.

Ich wünsche viel Freude mit meinem Rezept!

 

Tarte Tatin

  • 50 Zucker
  • 100 g kalte Butter
  • 150 g Mehl (450)
  • Prise Salz
  • 1 Zitrone
  • 3 – 4 Boskop-Äpfel
  • 100 Zucker
  • 2 – 3 EL Wasser
  • 80 g Butter
  • 1 Backform ca. 25 cm ø
  1. Zucker, Butter, Mehl und Salz zügig zu einem geschmeidigen Mürbeteig verkneten. Flach gedrückt (dann kann man ihn später leichter ausrollen) in Klarsichtfolie wickeln und mind. 30 min in den Kühlschrank legen.
  2. Den Backofen auf 220°C vorheizen.
  3. Inzwischen kaltes Wasser mit dem Saft einer halben Zitrone bereitstellen; es soll die Braunfärbung der Äpfel verhindern. Äpfel schälen, zu Apfelspalten schneiden und in das Zitronenwasser legen.
  4. Den Teig auf der leicht bemehlten Arbeitsfläche auf 25cm ø (oder entsprechend der Backform) ausrollen. Auf ein flaches Blech legen, mit einer Gabel mehrmals einstechen und bis zur weiteren Verwendung wieder kalt stellen.
  5. Die Äpfel abgießen und gut mit einem Küchenpapier abtupfen.
  6. Zucker mit dem Wasser in eine Pfanne geben und erhitzen. Dabei nicht umrühren. Warten bis es braun wird und ein Karamell entsteht.
  7. Butter und einen Spritzer Zitronensaft dazugeben. Äpfel in das Karamell legen und darin wenden. Äpfel-Karamell-Mischung in eine Backform geben. Die Äpfel sollten sehr dicht liegen.
  8. Nun den Mürbteig zügig auf die Äpfel legen und den Teigrand zwischen Äpfel und Formrand leicht nach unten drücken. Die Form direkt in den Ofen schieben und bei 220 Grad ca. 20 min backen.
  9. Die Tarte aus dem Ofen nehmen und 10 min ruhen lassen. Nicht länger, das Karamell soll nicht fest werden. Den Teigrand mit einem spitzen Messer von der Form lösen und die Tarte auf eine Tortenplatte stürzen.